Fokus Forschung: Biotechnologie im ethischen Diskurs

Montag 03. April 2017, 07:30

BMBF-Klausurwoche in Münster

Die Teilnehmer der BMBF-Klausurwoche
(Foto CFB Münster)

Vom 6. bis 10. März 2017 fand in Münster, Westfalen, die BMBF-Klausurwoche zum Thema „Genom-Editierung in der Humanmedizin? Ethische und rechtliche Probleme der Anwendung am Menschen“ statt.
An der vom Centrum für Bioethik (Leitung PD Dr. Johann S. Ach) der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster organisierten und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Klausurwoche nahm der Nachwuchswissenschaftler Robert Leidenfrost von der Arbeitsgruppe von Professor Röbbe Wünschiers teil. Zusammen mit anderen Nachwuchswissenschaftlern aus den Bereichen Ethik, Philosophie, Rechtswissenschaften, sowie Medizin und Molekularbiologie wurden eine Woche lang die verschiedenen ethischen Aspekte, aber auch rechtlichen Fragen der Genomeditierung am Menschen diskutiert.

Genomchirurgie oder „genome-editing“ bezeichnen neue molekularbiologische Verfahren, mit denen sich das im DNA-Doppelstrang kodierte Erbgut in lebenden Zellen gezielt verändern lässt. Die Technik basiert auf molekularen  Werkzeugen wie z.B.  Zinkfingernukleasen (ZFN), TALENs (transcription activator-like effector nucleases), oder auch dem derzeit vorherrschendem CRISPR/Cas-System (clustered regularly interspaced short palindromic repeats). Vereinfacht dargestellt handelt es sich dabei um Proteine, die eine spezifische Sequenz im DNA-Doppelstrang erkennen und dort definiert einen Schnitt machen. Über die im Folgenden ablaufenden natürlichen Reparaturmechanismen der Zelle können dann einzelne Basen oder Basenabschnitte ganz entfernt, hinzugefügt oder geändert werden. CRISPR werden hier sehr große Möglichkeiten, u.a. aufgrund der relativen Einfachheit der Anwendung, zugeschrieben.

Mit der Entwicklung dieser Technologien stellt sich für Lebenswissenschaftler sehr schnell auch die Frage nach der Anwendung in der Humanmedizin. So wurden bereits 2014 mittels ZFN modifizierte Zellen in der HIV-Therapie angewendet und der therapeutische Nutzen von TALEN seit 2015 in einer experimentellen Krebstherapie erprobt. Die CRISPR/Cas-Technik wurde 2016 erstmals am lebenden Menschen angewandt, ebenfalls im Bereich Krebstherapie, sowie 2015, als proof-of-concept an Keimbahnzellen. Vor allem letzterer Versuch führte unter Wissenschaftlern verschiedenster Disziplinen weltweit zu teils sehr kontrovers geführten Diskussionen um die Anwendbarkeit dieser Technologie und ihrer ethischen Probleme, auch in Deutschland.

Eingerahmt wurden die Beiträge der Nachwuchswissenschaftler durch Expertenvorträge von Prof. Dr. John Harris aus Manchester, Prof. Dr. Christoph Rehmann-Sutter aus Lübeck, Prof. Dr. Hartmut Kreß aus Bonn und Dr. Anna Deplazes Zemp aus Zürich. Den Höhepunkt und Abschluss der Klausurwoche bildete der sehr gut besuchte öffentliche Abendvortrag des Genetikers und stellvertretenden Vorsitzenden der österreichischen Bioethikkommission Univ. Prof. Mag. Dr. Markus Hengstschläger.

Persönlich verbleiben für Robert Leidenfrost neben den vielen interessanten Einsichten und Denkanstößen auch Fragen, vor allem geschuldet dem aktuellen Stand der Technik. Die Einsichten sind dabei nicht nur fachlicher Natur sondern beziehen sich auch auf das Kennenlernen wissenschaftlicher Kommunikation in verschiedenen Disziplinen. Wieder einmal ist bewiesen: Reisen bildet.

Text: Robert Leidenfrost