Fokus Forschung: NWK19-Vortrag: Digital in die Zukunft – Wissensmanagement in der Bürgerbeteiligung

Freitag 01. Juni 2018, 09:00

Promotionsprojekt beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf kommunaler Ebene. Erste Ergebnisse werden zur 19. NWK vorgestellt.

NWK19-Referent: Christopher M. Brinkmann

Wissen ist Macht. Schaut man auf die moderne Gesellschaft, dann scheint dies mehr denn je zuzutreffen. Aus der Industriegesellschaft des 19. und 20. Jahrhunderts ist in den vergangenen Jahren eine dynamische Wissensgesellschaft geworden. Immer mehr Menschen arbeiten in wissensintensiven Bereichen, die Wissenschaft ist wichtiger Impulsgeber für Innovationen und Unternehmen sind bemüht, das implizite Fachwissen ihrer Mitarbeiter möglichst für die Zukunft zu erhalten. Durch die digitalen Medien sind zudem aktuelle Informationen von überall und zu jeder Zeit für jeden abrufbar. Aus den ehemals passiven Medienrezipienten sind durch das Internet und die Etablierung von Sozialen Medien, wie Facebook, aktive Prosumenten geworden. Medieninhalte werden so heute nicht nur passiv aufgenommen, sondern aktiv mitgestaltet.

Dieser beschriebe Wandel führt auch zu neuen Kommunikationsgewohnheiten. Gerade auf der kommunalen Ebene, die als meist kleinste strukturelle und staatliche Verwaltungseinheit das Zusammenleben in einer Stadt regelt, ist dies zu spüren. So fordern Initiativen wie die Digitalisierungsstrategie des Freistaates Sachsen unter dem Schlagwort „Open Government“ eine Öffnung der Regierungen und Verwaltungen gegenüber der Bürgerschaft. Damit soll die Transparenz des politischen Handelns und die Bürgerbeteiligung an gesellschaftlichen Gestaltungsprozessen gefördert werden. Doch mit dem Ausbau des Austausches zwischen Verwaltungen und der Bürgerschaft entsteht auch ein großer beidseitiger Wissensfluss. Erst wenn dieser strukturiert und nach festgelegten Regeln organisiert werden kann, wird es möglich sein eine nachhaltige Bürgerbeteiligung und transparente Information aufzubauen. Ähnlich wie in der Wirtschaft, wo Wissensmanagementsysteme den Wissensfluss eines Unternehmens steuern, braucht es daher auch für die Kommunalverwaltung Prozesse, die die Wissensstrukturierung und den Wissenstransfer mit der Bürgerschaft organisieren.

Untersuchung am Beispiel Mittweida

Diesen, durch digitale Medien geprägten, Wandel in der Kommunikationskultur zu verstehen und einen wissenschaftlichen Beitrag zur nachhaltigen fundierten Gestaltung eines Wissensmanagements auf kommunaler Ebene zu leisten ist Ausgangspunkt des Promotionsprojektes „Crossmediales Wissensmanagement auf kommunaler Ebene“. Die Arbeit entsteht in Kooperation zwischen der Hochschule Mittweida und der Universität Bremen. Das Promotionsprojekt wird dabei aus Mitteln des ESF und des Freistaates Sachsen gefördert.

Am Beispiel der Hochschulstadt Mittweida wird in dem Vorhaben untersucht, welche lokalen Akteure an einer Stadtentwicklung mitwirken können sowie sollen und welche Wissensaktivitäten in den Netzwerken wirken. Damit soll klar werden, an welchen Touchpoints relevante Stakeholder angesprochen werden können und wie gegebene Informationen aufbereitet sein müssen, um die Akteure zur Beteiligung zu aktivieren.

Für die Untersuchungen sind in den kommenden Monaten  qualitative Leitfadeninterviews und eine Netzwerkanalyse in Mittweida geplant. Diese sollen Aufschluss darüber geben, welche Stimuli lokale Akteure zum Engagement motivieren, welches Wissen sie bereit sind in die Entwicklung der Kommune einzubringen und welche Medien sie für die Kommunikation und Information nutzen. Außerdem wird die Facebook-Seite der Zukunftsstadt Mittweida im Monitoring und der Dokumentation begleitet. Die dabei gemachten Erfahrungen sollen eine Aussage darüber zulassen, wie digitale soziale Netzwerke für die Vernetzung einer Kommune eingesetzt werden können. Das auf drei Jahre angelegte Promotionsprojekt wurde im Januar begonnen. Erste Ergebnisse sollen auf der 19. Nachwuchswissenschaftlerkonferenz an der Hochschule Anhalt im Rahmen eines Vortrages vorgestellt werden.

Der Referent

Christopher M. Brinkmann studierte an der Hochschule Mittweida in den Bereichen Medienmanagement und Information and Communication Science. Seit 2015 beschäftigt er sich in Projekten wie Zukunftsstadt Mittweida oder Crossmediale Medienwirkungsforschung mit der Untersuchung von neuen Formen der Bürgerbeteiligung. Mit der Promotion zum Thema des „Crossmedialen Wissensmanagements auf kommunaler Ebene“ möchte er zur Entwicklung nachhaltiger Bürgerbeteiligungsformaten beitragen.

 

Text: Christopher M. Brinkmann
Foto: Helmut Hammer