Fokus Forschung: NWK19-Vortrag: Mehr Akzeptanz für Energie- und Rohstoffprojekte durch angepasste Kommunikationsmaßnahmen

Mittwoch 30. Mai 2018, 14:00

Promotionsprojekt beschäftigt sich mit dem Abbau von Akzeptanzbarrieren

NWK-Referentin Stefanie Walter

Der Energie- und Rohstoffsektor ist für die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands von immenser Bedeutung. Branchenvertreter berichten allerdings zunehmend von fehlender Akzeptanz bis hin zu grundlegendem, langwierigem und unternehmens(wohl)gefährdendem Protest in der Bevölkerung, insbesondere bei neuen Ab-/Bauvorhaben.

In Teilen der Bevölkerung verbinden sich Einstellungen und gesellschaftspolitische Aversionen mit konkreten Ängsten und Strategien zur Abwehr unerwünschter Industrien zu komplexen Akzeptanzbarrieren. Diese bedienen sich neben grundsätzlichen Vorbehalten konkreten individuellen und nahraumspezifischen Hindernissen. Beobachtbare Phänomene sind u.a. der NIMBY- und LULU-Effekt.

Die zeitlich nicht einzuschätzenden Verzögerungen durch Proteste führen zu rückläufigem Investoreninteresse, stockendem Wirtschaftswachstum, existenzgefährdenden Beeinträchtigungen für Betriebe und folglich nachlassender wirtschaftlicher Stabilität.

Davon betroffen sind ebenfalls Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien, beispielsweise bei der Errichtung von Windkraft- oder Biomasseanlagen. Ohne diese wiederum wird die Wende zu einer nachhaltigen Energiepolitik und das Ziel, Gesamtdeutschland „als eine der energieeffizientesten und umweltschonendsten Volkswirtschaft der Welt“ (Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie 2011: 9) zu etablieren, unmöglich.

Diesem Spannungsfeld aus grundsätzlichem Widerstand, aber auch gesellschaftlicher Notwendigkeit nimmt sich die Medienwissenschaftlerin Stefanie Walter an. Der Fokus ihrer Forschung liegt neben der Kommunikation im kritischen Umfeld an der Nahtstelle zwischen Nachbarschaftsdialog und überregionalen persuasiven Kommunikationsstrategien auf Fallstudien (konkreten Vor-Ort-Projekten an kontrastierenden Standorten in der Nähe von Ortschaften).

Ziel ihrer Forschung ist es, im Sinne von Best-Practice und Fehleranalyse die Potentiale der praktizierten Kommunikationsinstrumente und -strategien konfliktreicher unternehmerischer Standortentwicklungen im Energie- und Rohstoffbereich unter besonderer Beachtung räumlicher Nähe und gesellschaftlicher Zustimmung deutlich zu machen und signifikant zu steigern. Hierbei strebt sie die Ableitung einer multikausalen und multidirektionalen Akzeptanztheorie an, die den betroffenen Klein- und mittlere Unternehmen geeignete Kommunikationsmittel und -strategien zur Vermeidung und zum Abbau von Akzeptanzbarrieren bereitstellt.

Stefanie Walter studierte an der Hochschule Mittweida im Bachelor Medienmanagement sowie die Masterstudiengänge Information and Communication Science mit der Vertiefung Public Affairs/Political Campaigning und berufsbegleitend Nachhaltigkeit in gesamtwirtschaftlichen Kreisläufen. Seit 2013 arbeitet die 28-Jährige im Rektorat der Hochschule Mittweida als Beauftragte für Transfer und Regionalmarketing. Zusätzlich begann sie Ende des Jahres 2017 ihre kooperative Industriepromotion, welche aus Mitteln des Freistaates Sachsen und des Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert wird. Kooperationspartner sind die Technische Universität Bergakademie Freiberg, die Hochschule Mittweida und die MIBRAG Neue Energie GmbH.

Stefanie Walter stellt einen Teil ihrer Forschung bei der 19. Nachwuchswissenschaftler Konferenz an der Hochschule Anhalt unter dem Titel „Akzeptanzforschung in der Energie- und Rohstoffwirtschaft unter räumlichen, politischen und industrie-kulturellen Aspekten“ vor.

Quellenverzeichnis
Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (2011). Forschung für eine umweltschonende, zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung. Das 6. Energieforschungsprogramm der Bundesregierung, online abrufbar unter https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Publikationen/Energie/6-energieforschungsprogramm-der-bundesregierung.pdf?__blob=publicationFile&v=32, zuletzt abgerufen am 30.04.2018.

Text und Grafiken: Stefanie Walter
Foto: Helmut Hammer