Fokus Forschung: Blutmusterdatenbanken und Knochen-Pipeline

10.10.2019, 14:00

DGRM-Tagung in Hamburg mit Mittweidaer Beteiligung

DGRM-Konferenz in Hamburg

Auf der diesjährigen internationalen Jahrestagung der „Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin“ (DGRM) lud die Universität Hamburg Mitte September Rechtsmediziner aus aller Welt dazu ein, Ergebnisse und Perspektiven ihrer Forschungsarbeiten dem Fachpublikum zu präsentieren.

Unter den knapp 400 Teilnehmern befanden sich auch die Mittweidaer Promovenden Saskia Jeraufke und Tommy Bergmann aus der Forschungsgruppe FoSIL unter Leitung von Prof. Dirk Labudde. Beide stellten vor Ort ihre Forschungsprojekte vor und gaben Interessierten einen Einblick in die Untersuchungsmethoden und erreichten Ergebnisse.

Bei den vorgestellten Vorhaben handelte es sich um die „Entwicklung einer Datenbank für die Klassifikation und Verwaltung aufgefundener Blutmuster“ und um das Thema „Pipeline zur Aufarbeitung von Knochenfunden - ein anthropologisch-forensischer Exkurs“. Beide Projekte streben einen geordneteren und objektiveren Umgang mit forensisch relevanten Informationen an, was vor Ort vielseitig diskutiert wurde.

Tommy Bergmann forscht im Rahmen seiner kooperativen Promotion zwischen der Universität Leipzig und der Hochschule Mittweida an einer Entwicklung eines holistischen Modells der Blutalterung am Tatort auf Grundlage bioinformatischer Analysen. Die forensische Blutmusteranalyse liefert nur dann verwertbare Informationen, wenn die Zuordnung der Spuren fehlerfrei funktioniert und die Kategorien international vergleichbar sind. Das präsentierte Datenbanksystem soll Analysten weltweit eine Vergleichsplattform von Mustern an die Hand geben und hochgeladene Bilder automatisch klassifizieren. Dadurch soll die subjektive Kategorisierung am Tatort umgangen werden.

Saskia Jeraufke strebt in ihrer kooperativen Promotion zwischen der Universität Leipzig und der Hochschule Mittweida die forensisch-anthropologische Untersuchung des Individualalters mit Hilfe von bildgebenden Verfahren an. Mit ihrer vorgestellten Pipeline soll es möglich werden, dass verschiedene Bearbeiter zeitgleich an verschiedenen Orten am Material arbeiten können und auch Informationen von unstabilen oder nicht mehr verfügbaren Knochen erhalten bleiben.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1904 veranstaltete die DGRM bereits 98 Tagungen, auf denen die Arbeitsweisen von Rechtsmediziner evaluiert und verbessert werden. Die folgende 99. Tagung soll in der Schweiz, in Zürich/Lausanne, stattfinden und gibt hoffentlich auch wieder forensischen Wissenschaftlern aus Mittweida die Chance, Expertise aus Mittelsachsen mit der Welt zu teilen.

Text: Tommy Bergmann
Fotos: privat