Fokus Forschung: Vortrag zur 20. NWK: Auswahl und Einfluss von Kommunikationsmaßnahmen auf die Akzeptanz von Infrastrukturvorhaben durch KMU bei Anwohnern

18.06.2019, 10:00

Stefanie Walter forscht zur Kommunikation für und von KMU für mehr gesellschaftliche Akzeptanz

Referentin zur 20. NWK: Stefanie Walter

Der Freistaat Sachsen ist mit seiner nahezu 850 Jahre währenden Tradition Bergbauland (Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr o.J.) und wird zugleich als „moderner und leistungsstarker Energiestandort“ (Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr o.J.a) angesehen. Ca. 300 Gewinnungsbetriebe für Steine und Erden haben sich hier angesiedelt und über 800 Firmen sind im Bereich Energieversorgung tätig (Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr o.J.; Landesarbeitsgemeinschaft der Sächsischen Industrie- und Handelskammern o.J.). Über 6.000 Arbeitsplätze werden sachsenweit allein durch Unternehmen der Windkraft gesichert (Bundesverband WindEnergie e. V. o.J.).

Die Energie- und Rohstoffbranche hat nicht nur selbst eine bedeutende Wirtschaftskraft, sondern bildet durch ihre Versorgungstätigkeit auch die Grundlage für den gesamten Industriestandort Sachsen. Insbesondere der durch die Energiewende notwendige Umbau der Energiewirtschaft hängt u.a. laut dem Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr im besonderen Maße „von der Akzeptanz der betroffenen Bürger“ (Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr o.J.a) ab.

Unternehmensvertreter äußern jedoch den Eindruck, dass die gesellschaftliche Ablehnung ihres Unternehmenszwecks zunimmt, was sich etwa in einer höheren Anzahl von Demonstrationen in unmittelbarer Nähe ihrer Anlagen sowie deren Besetzung, Petitionen, der Nutzung von Flugblättern und juristischen Maßnahmen durch Bürgerinnen und Bürger äußert. Grund dafür ist die fehlende Akzeptanz in der Bevölkerung, beispielsweise für den Ausbau von Abgrabungsflächen des Bergbaus oder die Flächennutzung für Anlagen zur Erzeugung von erneuerbaren Energien (siehe Abbildung).

Für die heimischen Rohstoff- und Energieunternehmen ist die öffentliche Akzeptanz gegenüber Abbau- und Gewinnungsvorhaben essenziell. Ist diese nicht gegeben und treten etwa Proteste durch Teile der Bevölkerung auf, führen diese zu z.T. enormen zeitlichen Verzögerungen sowie Imageschädigung und größerer wirtschaftlicher Belastung für insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU). In Fällen einer extremen Häufung wird sogar das Unternehmenswohl bedroht, was zu stockendem Wirtschaftswachstum führen kann.

Unternehmensvertreter können nicht abschätzen, ob und wenn ja in welchem Ausmaß es zu bürgerschaftlichem Protest kommen könnte/wird. Im Rahmen ihrer Promotion ist es das Anliegen von Stefanie Walter dies zu ändern sowie geeignete Kommunikationsstrategien für KMU zu entwickeln, mit denen sie die Bevölkerung über ihre Vorhaben bzw. Tätigkeiten aufklären sowie einbeziehen können.

Ziel ihrer Forschung ist es, im Sinne von Best-Practice und Fehleranalyse die Potentiale der praktizierten Kommunikationsinstrumente und -strategien konfliktreicher unternehmerischer Standortentwicklungen im Energie- und Rohstoffbereich unter besonderer Beachtung räumlicher Nähe und gesellschaftlicher Zustimmung deutlich zu machen und signifikant zu steigern. Hierbei strebt sie die Ableitung einer multikausalen und multidirektionalen Akzeptanztheorie an, die den betroffenen KMU geeignete Kommunikationsmittel und -strategien zur Vermeidung und zum Abbau von Akzeptanzbarrieren bereitstellt.

Ihr Promotionsvorhaben wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Freistaates Sachsen gefördert. Kooperationspartner sind die Hochschule Mittweida (Fakultät Medien), die Technische Universität Bergakademie Freiberg (Institut für Bergbau und Spezialtiefbau) und die MIBRAG Neue Energie GmbH.

      

Stefanie Walter stellt einen Teil ihrer Forschung bei der 20. Nachwuchswissenschaftler Konferenz an der Hochschule Merseburg unter dem Titel „Auswahl und Einfluss von Kommunikationsmaßnahmen auf die Akzeptanz von Infrastrukturvorhaben durch KMU bei Anwohnern“ vor.

Sie studierte an der Hochschule Mittweida Medienmanagement (Bachelor) sowie Information and Communication Science mit der Vertiefung Public Affairs/Political Campaigning (Master) und Nachhaltigkeit in gesamtwirtschaftlichen Kreisläufen (Master). Seit 2013 arbeitet die Nachwuchswissenschaftlerin im Rektorat der Hochschule Mittweida als Beauftragte für Transfer und Regionalmarketing.

Quellenverzeichnis:       
Bundesverband WindEnergie e. V. (o.J.): Der Landesverband Sachsen. URL: www.wind-energie.de verband/lvs/sachsen/; zuletzt abgerufen am 05.06.2019.
Landesarbeitsgemeinschaft der Sächsischen Industrie- und Handelskammern (o.J.): Firmendatenbank der Sächsischen Industrie- und Handelskammern. URL: www.firmen-in-sachsen.de; zuletzt abgerufen am 05.06.2019.
Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (o.J.): Bergbau in Sachsen URL: www.bergbau.sachsen.de; zuletzt abgerufen am 05.06.2019.
Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (o.J.a): Energie. URL: www.energie.sachsen.de; zuletzt abgerufen am 05.06.2019.
Wiemer, Tobias (11.07.2018): "Windkraft? Nein danke!". URL: www.torgauerzeitung.com/Artikel/default.aspx; zuletzt abgerufen am 05.06.2019.

Text: Stefanie Walter
Foto: Helmut Hammer