Fokus Forschung: Landwirtschaft mit Menschen mit Behinderung gemeinsam weiterdenken

04.11.2019, 13:00

Netzwerktreffen des Projekts InnoLAWI - Landwirtschaftliche Unternehmen als Anbieter sozialer Dienstleistungen am 8. Oktober 2019 auf dem Luisenhof in Callenberg/ Langenchursdorf

Hofführung auf dem Luisenhof mit Silke Vondermühl- Witte (Bildmitte)

Landwirte als soziale Unternehmer? Inklusion und Teilhabe am Arbeitsleben? Andere Leistungsanbieter in grünen Berufen?

Am 8. Oktober fand das erste öffentliche Netzwerktreffen des Projekts InnoLAWI statt. Ein Ziel des Projekts ist es, sieben sächsische Landwirtschafts-betriebe auf dem Weg zum Anderen Leistungsanbieter zu begleiten. Andere Leistungsanbieter bieten berufliche Bildung oder Beschäftigung für Menschen mit Behinderung an, wie sie ansonsten in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM) angeboten werden. Die Landwirtschaftsbetriebe stellen somit ein kleinstrukturiertes Angebot zur Teilhabe am Arbeitsleben und als Alternative zur WfBM zur Verfügung.

Für die Pilotbetriebe standen am Vormittag die Arbeit an den Betriebskonzepten und eine Expertenbefragung mit der Revisions- und Wirtschaftsprüfungs-gesellschaft A.V.A.T.I.S. aus Chemnitz zu steuerlichen und organisatorischen Themen im Mittelpunkt.

Am Nachmittag fanden sich zahlreiche interessierte Akteure auf dem Luisenhof ein. Silke Vondermühl-Witte zeigt den Gästen die einzelnen Arbeitsbereiche des Hofes, zu denen eine Gärtnerei und Tierhaltung für eine solidarische Landwirtschaft und zur Selbstversorgung, wie auch ein Gästecafé und ein grünes Klassenzimmer gehören. „Unser Ideal ist es, Menschen in besonderen Lebenssituationen, jung oder alt, ein Zuhause und Arbeit in einer landwirtschaftlich geprägten Lebensgemeinschaft zu geben. Für diese und mit ihnen bilden wir den Rahmen, den jeder für die Entfaltung seiner Individualität braucht.“, beschreibt Silke Vondermühl-Witte eines der Leitbilder der Gemeinschaft. Bemerkenswert war die spürbare Aufbruchsstimmung während des Austauschs untereinander am Nachmittag. Gemeinsam bearbeiteten die Teilnehmenden Fragestellungen rund um den Anderen Leistungsanbieter. Als wichtige Motive für die Weiterentwicklung der Anderen Leistungsanbieter sahen alle Beteiligten sinnstiftende und betrieblich orientierte Tätigkeitsfelder in Wohnortnähe, die Aktivierung von überschaubaren, individuellen Wahlmöglichkeiten sowie die Chance einer individuellen Förderung für Menschen mit Behinderung.

Dabei taucht immer wieder das Wort Inklusion auf. Aber was steckt genau hinter diesem Begriff? Inklusion heißt, dass jeder Mensch ganz natürlich dazu gehört. Egal wie er aussieht, welche Sprache er spricht oder ob er eine Behinderung hat. Jeder kann mitmachen [Quelle Aktion Mensch https://www.aktion-mensch.de/dafuer-stehen-wir/was-ist-inklusion.html ]. Die am Projekt beteiligten Landwirtschaftsbetriebe sehen in ihren Höfen genau diese Orte und Möglichkeiten, die Raum für Begegnung und gemeinsames Wirken ermöglichen und damit als Dienstleister einen kleinen Beitrag zu einer inklusiven Gesellschaft leisten können.

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Text: Marika Krüger
Foto: Melina Camillo