Fokus Forschung: Neue Ideen durch Vernetzung von Hochschulen mit Unternehmen

23.10.2019, 10:00

futureSAX-Interview mit dem Prorektor Forschung

Prof. Dr.-Ing. Uwe Mahn, Prorektor Forschung an der Hochschule Mittweida

Heute findet im Studio B im Rahmen der Saxony5-Woche der futureSAX-Gründerbrunch unter dem Motto "Gemeinsam durchstarten mit dem Mittelstand" statt. Prof. Uwe Mahn, Prorektor Forschung an der Hochschule Mittweida, sprach im Vorfeld mit futureSAX über seine Arbeit an der Hochschule und im Verbund Saxony5.

futureSAX: Herr Prof. Mahn, bitte beschreiben Sie uns in wenigen Worten die Forschungsschwerpunkte und Kernkompetenzen der Hochschule Mittweida.

Prof. Mahn: Das Spektrum der Forschungsthemen an der Hochschule Mittweida bildet das Profil einer Vollhochschule umfänglich ab. Dennoch lassen sich ein paar Schwerpunkte benennen. Eine gute Hilfe dazu sind die in der Forschungslandkarte der Hochschulrektorenkonferenz gelisteten Themenfelder. Zu nennen sind die Lasertechnologien, die mit dem Laserinstitut der Hochschule Mittweida (LHM) den drittmittelstärksten Bereich darstellen, die Produkt- und Prozessentwicklung, welche sich interdisziplinär über mehrere Fakultäten erstreckt, und die beiden jungen und stark wachsenden Forschungsschwerpunkte Digitalisierung in Wirtschaft und Gesellschaft sowie die Angewandte Informatik, zu der die innovativen Forschungsprofile Digitale Forensik sowie die IT-Sicherheit zählen.

futureSAX: Den Hochschulen für Angewandte Wissenschaften kommt eine besondere Rolle insbesondere in der regionalen Entwicklung zu. Welche Bedeutung kommt dem Wissens- und Technologietransfer für die regionale wirtschaftliche Entwicklung an der HS Mittweida zu?  

Prof. Mahn: An den Hochschulen für Angewandte Wissenschaften wird fast ausschließlich anwendungsbezogen geforscht, d. h. es werden etablierte Grundlagen auf konkrete Produkte und Prozesse übertragen, für die unmittelbar eine Markteinführung vorgesehen ist. Diese Forschung geschieht sehr häufig mit Unternehmen der Region. Dadurch entsteht ein enger Kontakt zu den Unternehmen, welche sich durch den Wissens- und Technologietransfer maßgeblich weiterentwickeln können. Neben dem Transfer von Forschungs- und Entwicklungsergebnissen spielt auch die studentische Ausbildung zur Versorgung der regionalen Wirtschaft mit Fachkräften eine wichtige Rolle. Nicht zu vergessen ist auch die Dritte Mission, bei der durch Veranstaltungen unterschiedlichster Formate an der Hochschule vorhandenes Know-how zu neuen Impulsen bei den regionalen Unternehmen führen soll.

futureSAX: Mit dem Bündnis „Blockchain Schaufensterregion Mittweida“ war die HS Mittweida erfolgreich beim Wettbewerb des Förderprogramms „WIR!-Wandel durch Innovation in den Regionen“. Welche Vision verfolgt die Hochschule mit dem Projekt und welche Beteiligungsmöglichkeiten bestehen für KMU?

Prof. Mahn: Die Blockchain-Technologie als spezielle Verschlüsselungstechnologie bietet die Möglichkeit in die Welt der digitalen Original und werte einzutreten. Diese Techno­logie ist Basis für die Krypto- Währung Bitcoin, die bereits zu ein paar Verän­de­rungen in der Finan­zwelt geführt hat. In der Block­chain-Schau­fens­ter­region Mittweida soll die Block­chain-Techno­logie u. a. zum Aufbau einer digitalen Identität Mittel­sachsen verwendet werden. Mit dieser kann man sich ohne Papier, Ausweis und Co. identi­fi­zieren, mit dem Ziel, dass kommunale Service­leis­tungen, Angebote von Unter­nehmen und Verwal­tungs­vor­gänge an der Hochschule verein­facht und schneller erfolgen können. Natürlich ist das nur möglich, wenn neben der Stadt Mittweida, der Volksbank Mittweida und der Hochschule Mittweida, die im Projekt beteiligt sind, weitere Partner, vor allem Unter­nehmen sich an den Ideen und Lösungen betei­ligen. Nur so kann die Wirksamkeit einer Schau­fens­ter­region überre­gional gewähr­leistet werden.

futureSAX: WIR! Setzt vor allem auf den Transfer von der Forschung in die Wirtschaft. Wie kann man Ihrer Meinung nach den Wissens- und Technologietransfer noch besser unterstützen und wo sehen Sie noch ungenutzte Potenziale?

Prof. Mahn: Neben dem WIR!- Projekt der Blockchain-Schaufensterregion Mittweida beteiligt sich die Hochschule Mittweida auch an den benachbarten WIR!-Projekten smartERZ und Smart Rail Connectivity Campus in Annaberg. Es zeigt sich, dass die Vernetzung von Forschenden in den Hochschulen und Anwendenden in den Unternehmen immer wieder zu neuen Ideen führen können. Ungenutzte Poten­ziale können so durch mehr Kontakt zwischen Unter­nehmen und Hochschulen erschlossen werden.

futureSAX: Auf der bevorstehenden Saxony5 Woche an der HS Mittweida präsentieren sich unter anderen verschiedene Co-Creation Labs. Welche Ziele und Inhalte verfolgen diese Labs und wie können sächsische Unternehmen davon profitieren?

Prof. Mahn: In der Vergangenheit wurden häufig Forschungsergebnisse in Berichtsform oder durch Prototypen o. ä. zum Projektende an die Unternehmen übergeben, ohne dass im Nachgang ein Rückfluss von Informationen an die Hochschulen bzw. die Entwickler der Forschungsergebnisse existierte. Das Ziel von Co-Creation Labs ist es, dass Forscher und Anwender aus den Unternehmen direkt zusammen arbeiten. Dies sichert den Rückfluss der Infor­ma­tionen und soll dazu führen, dass gesam­melte Ergeb­nisse immer weiter­ent­wi­ckelt und dadurch verbessert werden können. Durch diesen rekur­siven Transfer beim gemein­samen Lösen von Problemen können die Unter­nehmen langfristig profi­tieren.

futureSAX: Im Rahmen der Saxony5 Woche findet an der HS Mittweida der futureSAX-Gründerbrunch „Gemeinsam durchstarten mit dem Mittelstand“ statt. Worin sehen Sie den größten Mehrwert für eine Zusammenarbeit zwischen Absolventen, jungen Gründern und etablierten Unternehmen?

Prof. Mahn: Wie bereits bei einem der vorhergehenden Fragen angedeutet, hängt viel davon ab, dass unterschiedliche Leute miteinander in Kontakt treten, miteinander kommunizieren und dabei - durch die unterschiedlichen Blickwinkel der beteiligten Akteure - häufig zu völlig neuen Lösungen kommen. So können an aktuellen Problemstellungen junge Gründer zusammen mit etablierten Unternehmen neue Wege beschreiten. Natürlich ist auch der Kontakt zu Absolventen der Hochschule wichtig, um mit dem potentiellen Fachkräftenachwuchs ins Gespräch zu kommen.

futureSAX: Was war Ihr Beweggrund Teil des futureSAX-Know-how-Netzwerkes zu werden und wie wichtig sind branchenübergreifende Plattformen für den Wissens- und Technologietransfer?

Prof. Mahn: futureSAX ist ein etabliertes Netzwerk und damit eine wichtige branchenübergreifende Plattform, mit der die Forscher der Hochschule Mittweida mit potentiellen Nutzern in Kontakt treten, um z. B. für Technologien, die bisher anwendungsoffen entwickelt wurden völlig neue Möglichkeiten zu finden, aber auch um Problemstellungen aufzunehmen, die aktuell in der Praxis diskutiert werden.

futureSAX: Vielen Dank für das Interview.

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Quelle: futureSAX
Bild: Helmut Hammer