Fokus Forschung: NWK17 - Vortrag "Crossmediale Medienwirkungsforschung"

14.04.2016, 09:00

Christopher M. Brinkmann und Natalie Kunze stellen die Ergebnisse der Startphase des Projektes vor.

Christopher M. Brinkmann und Natalie Kunze

Die Referenten

Das Forschungsprojekt „Crossmediale Medienwirkungsforschung“ präsentiert sich am  20. April mit einem Vortrag bei der 17. Nachwuchswissenschaftlerkonferenz an der Hochschule Schmalkalden. Die Präsentation wird von den beiden wissenschaftlichen Hilfskräften Natalie Kunze, Studierende im Master Industrial Management an der Hochschule Mittweida und Grafikerin für die visuelle Gestaltung der Kampagne Zukunftsstadt Mittweida, sowie Christopher M. Brinkmann, Studierender im Master Information and Communication Science an der Hochschule Mittweida und zuständig für die Aufbereitung und Auswertung der gesammelten Daten im Forschungsprojekt „Crossmediale Medienwirkungsforschung“, vorgestellt.
Schwerpunkt des Vortrages wird die Darstellung der Ergebnisse aus der Pretest-Phase in Stage 1 sein. Im Rahmen dessen wird auch das Kommunikationsdesign der crossmedialen Kampagne „Zukunftsstadt Mittweida“ vorgestellt. Zudem wird ein Ausblick auf die kommende zweite Forschungsphase gegeben.

Das Forschungsthema

Durch die zunehmende Etablierung des Internets seit Mitte der 1990er Jahre hat sich die Kommunikation und Informationskultur stark geändert. Durch die Allgegenwärtigkeit des Internets können die neusten Informationen überall und jederzeit abgerufen werden. Auch das klassische Modell der Sender- und Empfänger-Relation wurde durch das Internet gebrochen. Jeder Rezipient kann online zum Sender eigener Informationen werden. Mit dieser Neuerung änderten sich auch die Wege, über die Bürger von politischen Themen erfahren und über sie diskutieren. Wie anzunehmen ist, bietet das Internet eine große Möglichkeit für die politische Beteiligung von Bürgern. Doch nicht alle Bürger nutzen das Internet für die Beteiligung an politischen und gesellschaftlichen Diskussionen. Wie wahrzunehmen ist, haben manche Bürger zudem gar keinen Zugang zum Internet. Würde die Information und Einbeziehung von Bürgern nur noch ausschließlich über das Internet stattfinden, so würde ein großer Teil der Bürgerschafft von einer aktiven Mitgestaltung politischer Prozesse ausgeschlossen.

Um den Bürgern eine Beteiligung an der Entwicklung ihrer Stadt auf vielen verschiedenen Wegen zu ermöglichen, empfiehlt es sich, für die nachhaltige Gestaltung von konstruktiver Bürgerbeteiligung und funktionierender Bürgerinformation eine Kombination aus klassischen und progressiven Kanälen zu fördern. Crossmediale Kommunikation bietet für die Bewältigung einer derartigen Herausforderung eine gute Voraussetzung. Durch das Einbeziehen von klassischen Medien und bewährten Plattformen wie Zeitung, Radio oder Live-Kommunikation auf Einwohnerversammlungen und der Bedienung von digitalen Medien und Social Networks können alle Bürger zielgruppenspezifisch in ihrem jeweils gewohnten Mediennutzungsumfeld angesprochen und zur Beteiligung an politischen Gestaltungsprozessen motiviert werden.

Das Forschungsprojekt „Innovative Ansätze zur Lösung gesellschaftlicher Wandlungsprozesse - Teilprojekt 2 - Crossmediale Medienwirkungsforschung“ unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Tamara Huhle an der Hochschule Mittweida trägt mit seiner Arbeit zur Erforschung der Möglichkeiten der crossmedialen Ansprache von Bürgern auf kommunaler Ebene bei. Die Betrachtungen von kanal-, form-, und botschaftsabhängigen Motivationswirkungen und Aktivierungspotentialen bei integrierten Kanälen dienen zur Untersuchung  von Ansätzen für Modelle, die die Wirksamkeit von Crossmedialität auf kommunaler Ebene untersuchen. Das Forschungsprojekt „Innovative Ansätze zur Lösung gesellschaftlicher Wandlungsprozesse“ wird gefördert durch das Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst.

Stage 1 -Erfassen der für die Bürger relevanten Themen
In der Pretest-Phase des Forschungsprojektes wurde zunächst die Kommunikation der Kampagne „Zukunftsstadt Mittweida“ auf der Ebene des Monitorings und der Dokumentation begleitet. Die Zukunfts-Kampagne war eine gemeinschaftliche Initiative der Stadtverwaltung Mittweida, der Hochschule Mittweida und der Universität Leipzig im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2015 des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Ziel war es, über eine crossmediale Kommunikation die Bürger zur gemeinschaftlichen Gestaltung eines Stadtentwicklungskonzeptes für Mittweida bis ins Jahr 2030 zu motivieren.
Mit den Daten aus der crossmedialen Kampagne konnte ein grundlegender Einblick in die Mediennutzungsgewohnheiten der angesprochenen Bürger gewonnen werden. Die Aufbereitung der genannten Bürgerideen zur Entwicklung von Mittweida bis ins Jahr 2030 in den für die Kampagne geschaffenen interaktiven Kanälen, sprich die Zukunftsstadt-Facebookseite und die City-Cards an den Zukunftsboxen in vielen öffentlichen Einrichtungen und Geschäften in der Region Mittweida, gaben Aufschluss über die aktuelle Themenrelevanz auf kommunaler Ebene. Die beiden Zukunftsforen im November 2015 und Januar 2016 griffen die Themenrelevanzen auf boten eine Plattform für weitere konstruktive Diskussionen im Rahmen der Kampagne. Die erste Phase des Forschungsprojektes diente so der theoretischen Fundierung, der Literaturrecherche zur eigenen Theorie- und Modellbildung und der Anpassung der gestellten Thesen.

Stage 2 - Crossmediales Kommunizieren der Themen Energie und Umwelt
Auf Grundlage der Erfahrungen aus Stage 1, der Pretest-Phase des Forschungsprojektes „Crossmediale Medienwirkungsforschung“, werden in der zweiten Phase die Wirkung und die Möglichkeiten crossmedialer Kommunikation auf kommunaler Ebene in den Themengebieten Energie und Umwelt untersucht. Diese beiden Themen waren während der Stage 1 von den Bürgern wenig genannte Bereiche, was annehmen lässt, dass die Themenrelevanz nicht hoch eingeschätzt wird. Gerade das scheinbare Desinteresse der Bürger macht allerdings die Themen Energie und Umwelt zu einem interessanten Leitthema für die Erforschung crossmedialer Kommunikation auf kommunaler Ebene, da hier die Prozesse und Möglichkeiten zur Motivation von Bürgern zur aktiven Diskussionsbeteiligung von einer scheinbaren Nichtbeteiligung und Desinteresse zu einem aktiven crossmedialen Dialog untersucht werden können. Mit dieser Betrachtung wird ein Verständnis dafür geschaffen, wie weit die Bevölkerung einer Stadt über crossmediale Ansprache für im Stadtgespräch bislang wenig relevante Themen sensibilisiert werden kann.

Text: Christopher M. Brinkmann
Foto: Helmut Hammer