Fokus Forschung: Droht aus der Arktis eine neue Gefahr? Mittweidaer Absolventin erforscht in den USA arktische Kohlenstoffflüsse

25.01.2016, 15:59

Anne-Katrin Selbmann erforschte beim Woods Hole Research Center in Massachusetts, USA, für ihre Abschlussarbeit den Einfluss der globalen Erwärmung auf den CO2-Fluss arktischer Ökosysteme in die Atmosphäre. Auf Grund ihrer hervorragenden Leistung durfte Sie Ihre Ergebnisse beim American Geophysical Union (AGU) Meeting in San Francisco vorstellen.

Anne-Katrin Selbmann bei der Posterpräsentation
mit ihren Ergebnissen beim American Geophysical
Union (AGU) Meeting – Sie konnte viele neue
Kontakte zu anderen Forschern knüpfen, die ihre
Ergebnisse für die Erweiterung der arktisweiten
Studie zur Verfügung stellen möchten.

In den Medien lesen wir oft von menschgemachten Treibhausgas-Flüssen, die das Erdklima beeinflussen. Das ist jedoch noch nicht alles. Unter Klimawissen- schaftlern ist bekannt, dass es auch noch andere potenziell beun- ruhigende Treibhausgasquellen gibt.

Fakt ist, dass sich die voran- schreitende globale Erwärmung bereits heute auf unsere Ökosys- teme und deren Treibhausgas-Bilanzen auswirkt. Besonders heikel ist ihr Einfluss auf die Permafrost-Region, da in Permafrostböden etwa doppelt so viel Kohlenstoff gespei- chert ist wie in der Atmosphäre vorhanden. Da gerade in der Arktis die Erwärmung besonders schnell und gravierend voranschreitet, sind diese natürlichen Kohlenstoff-Pools ganz besonders sensibel und können eine zusätzliche, noch nicht beachtete Rückkopplung auf den Kohlenstoffgehalt in der Atmosphäre haben. Die umfangreichen Kohlenstoff-Pools im Permafrostboden haben ein sehr hohes Potential zur Steigerung des CO2-Gehaltes in der Atmosphäre.

Selbst während des langen und kalten Winters sind Mikroorganismen in den Böden aktiv, wobei durch deren Atmung organischer Kohlenstoff freigesetzt wird. Um die Kohlenstoffbilanz arktischer Ökosysteme zu ermitteln und deren potentielle Veränderung durch steigende Temperaturen aufgrund von globaler Erwärmung abzuschätzen, ist eine ganzjährige Betrachtung essentiell. Anne-Katrin Selbmann fertigte mit diesem Ziel eine arktisweite Studie an, in der sie 169 Messwerte von 46 Studienorten in verschiedenen Permafrost-Lagen untersucht und ausgewertet hat. Sie fand heraus, dass etwa ein Fünftel des jährlichen Kohlenstoffflusses im sensiblen arktischen Winter stattfindet. Das ist eine alarmierende Zahl, denn es bedeutet, dass die Permafrostböden zukünftig mehr CO2 freisetzten könnten, als sie speichern. Es besteht also das realistische Risiko, dass sich die Kohlenstoffspeicher der Arktis nach und nach entleeren und zu einer weiteren Treibhausgasquelle für unseren Planeten werden.

Für ein gesichertes Ergebnis sind jedoch noch weitere Forschungen notwendig. Anne-Katrin Selbmann arbeitet weiterhin gemeinsam mit dem Woods Hole Research Center Massachusetts, USA an der der Forschung zu Grunde liegenden Datenbank. Frau Selbmann hat ihre Ergebnisse bei der American Geophysical Union (AGU) Meeting in San Francisco im Rahmen einer Poster Session vorgestellt. Mit mehr als 24.000 Teilnehmern jährlich ist das AGU Meeting die weltweit größte Konferenz für Erd- und Weltraumforschung. Bei der Vorstellung der Zwischenergebnisse wurden viele Wissenschaftler angesprochen, die weitere Daten zur Ergänzung der Datenbank liefern können und wollen. Zum Beispiel sollen künftig noch weitere Einflussfaktoren wie  z.B. der Methanausstoß aufgenommen werden. Die Ergebnisse werden dann als wissenschaftliche Publikation veröffentlicht.

Anne-Katrin Selbmann hat Ende 2015 das Studium zum Energie- und Umweltmanager an der Hochschule Mittweida abgeschlossen. Bei Ihrer Abschlussarbeit in den USA wurde sie vom Institut für Energiemanagement unterstützt.

Text: Kerstin Strangfeld
Fotos: privat