Fokus Forschung: Die Saxony5-Transferstipendiaten stellen sich vor

Fokus Forschung: Die Saxony5-Transferstipendiaten stellen sich vor

Khatuna Mstoiani forscht zu Herausforderungen von jungen russischsprechenden Juden auf ihrem Bildungsweg

Im Rahmen der Förderinitiative „Innovative Hochschule“ (Projekt „Smart University Grid Saxony5") vergeben die beteiligten sächsischen Hochschulen sogenannte Transferstipendien für die Dauer von 3 Jahren. Die Ausschreibung richtet sich an Bewerber -/ innen, die ein wissenschaftliches und grundsätzlich promotionswürdiges Projekt realisieren möchten, in dem der Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse und Ergebnisse in konkrete betriebliche und / oder gesellschaftliche Anwendungen im Vordergrund steht. Das zu fördernde Transferprojekt dient weiterhin der wissenschaftlichen Qualifizierung des Stipendiaten. Eine Promotion innerhalb des Projektes ist möglich, jedoch nicht zwingend erforderlich. An der Hochschule Mittweida konnten seit Beginn der Förderinitiative drei Stipendien vergeben werden.

Khatuna Mstoiani promoviert in einem kooperativen Promotionsverfahren an der Hochschule Mittweida und der Universität Potsdam zum Thema „Renaissance des jüdischen Lebens. Biografische Perspektiven auf berufliches oder akademisches Ankommen in Deutschland“. An der Hochschule Mittweida wird sie dabei von Frau Prof. Dr. disc. pol. Asiye Kaya betreut.

„Die Koffer sind endgültig ausgepackt.“, diese Worte gebrauchte die Vorsitzende der Israelischen Kulturgemeinde München Charlotte Knobloch bei der Grundsteinlegung der neuen Synagoge mit Gemeindezentrum und Museum am 9. November 2003. (https://www.juedische-allgemeine.de/unsere-woche/ein-gluecksfall-fuer-muenchen/, Zugriff am 01.06.20)

Doch wie kann diese Koffer-Metapher auf die Juden angewandt werden, die in den 90ern nach Deutschland einwanderten? Wie sieht es mit ihren Kindern aus, die entweder hier geboren sind oder im Kleinkindesalter nach Deutschland einreisten? Wo sind sie in der Gesellschaft und welche Erfahrungen/Herausforderungen mussten die jungen russischsprachigen Juden auf ihrem Bildungsweg meisterten? Welche Hürden/Schwierigkeiten haben sie überwunden, um an ihr berufliches oder akademisches Ziel zu kommen? Vor welchen beruflichen Herausforderungen standen die jungen russischsprechenden Juden? Welche gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der beruflichen Realisierung hatten sie in Deutschland? Welche Rolle spielte ihr soziales Umfeld bei der Auswahl der Bildung?

Khatuna Mstoiani erhält im Juli 2018 aus den Händen von Prorektor Prof. Uwe Mahn die Urkunde für das Saxony5-TransferstipendiumKhatuna Mstoiani beantwortet im Rahmen ihrer Forschungsarbeit diese Fragen. Die Forschung befasst sich sowohl mit den Kindern, die hier geboren sind, als auch mit der sogenannten 1.5 Generation, die als Jugendliche nach Deutschland eingewandert sind. Mithilfe der narrativ-biografischen Interviews wird das Forschungsmaterial erhoben (Schütze 1983). Um dem Forschungsinteresse an den Bildungsbiografien der Interviewten gerecht zu werden, wird das Material nach der biografischen Fallrekonstruktion ausgewertet (Rosenthal 2015).

Durch das Saxony5-Transferstipendium konnte unter anderem der Besuch eines Kolloquiums an der Universität Göttingen bei Prof. Dr. Gabriele Rosenthal realisiert werden. In dem Kolloquium, welches im Dezember 2019 stattfand, wurden empirisch erhobene Forschungsmaterialien unter der Leitung von Prof. Rosenthal analysiert.

Neben den Befragungen verbringt Khatuna Mstoiani viel Zeit am Schreibtisch zur Analyse und Auswertung der InterviewdatenDie Analyse der Datenmaterialien für die Doktorarbeit wird mithilfe des obengenannten Verfahrens ausgewertet. Die Texte, die zur Seminarvorbereitung dienten, halfen den TeilnehmerInnen, die methodischen Herausforderungen kennenzulernen und ein besseres Verständnis zu erlangen. Des Weiteren wurden in diesem Seminar die wichtigsten Werkzeuge für die Analyse der Biographischen Fallrekonstruktion der interpretativen Sozialforschung diskutiert und angewendet. Für die Doktorarbeit wurden insgesamt 10 Interviews durchgeführt und drei davon werden nach der Auswertungsmethode von Frau Rosenthal ausgewertet. Die restlichen sieben Interviews werden global-analytisch ausgewertet, die Ergebnisse fließen ebenfalls in die Arbeit ein.

Die Erkenntnisse der Studie werden in den Jüdischen Gemeinden in Dresden und Chemnitz sowie im Jüdischen Museum Westfalen zur Anwendung kommen. Dort werden diese Erkenntnisse in Form von Workshops sowie als Ergänzung der Wanderausstellung „Angekommen?! Lebenswege jüdischer Einwanderer“ transferiert.

Khatuna Mstoiani sollte ihre Forschungsarbeit im November 2020 im Jüdischen Museum Westfalen in Form eines Vortrages „Die Koffer sind endgültig ausgepackt?“ präsentieren, diese Veranstaltung wurde pandemiebedingt leider abgesagt.

Informationen zum Projekt Saxony5 an der Hochschule Mittweida

Text: Khatuna Mstoiani
Fotos: Hochschule Mittweida (1), Khatuna Mstoiani (2)

 

Literaturverzeichnis: 
Jüdische Allgemeine (23.10.2017): »Ein Glücksfall für München«. Online verfügbar unter https://www.juedische-allgemeine.de/unsere-woche/ein-gluecksfall-fuer-muenchen/, Zugriff am 01.06.2020
Schütze, Fritz (1983): Biographieforschung und narratives Interview. In: Neue Praxis 3, 283-293
Rosenthal, Gabriele (2015): Interpretative Sozialforschung. Eine Einführung. 5. Auflage, Weinheim: Juventa,