Fokus Forschung: Kompetenz in POCT weitergeben

Fokus Forschung: Kompetenz in POCT weitergeben

Forschung, Forschungsprojekte

Projektstart für EDUCARE: Vier Partner entwickeln neue Ausbildung für Point-of-Care-Diagnostik. Hochschule Mittweida bringt ihre Kompetenzen an der Biophotonik-Biotechnologie-Schnittstelle und in der digitalen Lehre ein.

Gruppenbild
Auftakt im Laserinstitut Hochschule Mittweida: Die Partner von DIANA-EDUCARE beim Projektstart – darunter die Professoren Richard Börner (LHM) und Andreas Schubert (TU Chemnitz) (3. u 5. v. l., Reihe 1): Felix Erichson (1.v.l.) betreut das Projekt am LHM.

Die TU Chemnitz, die Hochschule Mittweida und zwei sächsische Fraunhofer-Standorte arbeiten künftig gemeinsam an einem interdisziplinären Lehrdemonstrator für die Entwicklung und Fertigung moderner Point-of-Care-Technologien (POCT). Zum Kickoff des BMFTR-Verbundprojekts „EDUCARE“ im Rahmen des „Wir! Diana-Bündnisses“ trafen sich die Partner am 27. Januar am Laserinstitut Hochschule Mittweida (LHM): Vertreter:innen der Professur Mikrofertigungstechnik der TU Chemnitz um Projektleiter Professor Andreas Schubert, des LHM, des Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie IZI (Leipzig) und des Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU (Chemnitz).

Point-of-Care-Tests liefern Labor-Diagnostik „nah an den Patient:innen“ – zum Beispiel in der Notaufnahme, Arztpraxis, Pflegeeinrichtung oder auch in mobilen Settings und überall dort, wo ein medizinisches Labor nicht um die Ecke zu finden ist. Typische Anwendungsfälle sind: Blutzucker- und Blutgas-Analysen, Schnelltests auf Infektionen, Gerinnungswerte, Schwangerschaftstests. Schnelle Ergebnisse unterstützen unmittelbar Therapieentscheidungen und können Versorgungswege deutlich beschleunigen.

Genau hier setzt DIANA-EDUCARE an: Das Projekt qualifiziert die Fachkräfte von morgen für einen Bereich, der medizinisch, technologisch und wirtschaftlich stark wächst.

Dr. Richard Börner, Professor für Biophotonik/Physikalische Technik an der HSMW und dort am Laserinstitut Projektleiter von EDUCARE, sagt: „POCT wird zunehmend selbstverständlicher Teil der Diagnostik sein und unsere Gesundheitsversorgung verbessern. POCT entwickelt sich gerade von einfachen Schnelltests hin zu integrierten Systemen mit Mikrofluidik, Biosensorik, optischen und elektrochemischen Detektionsprinzipien sowie digitaler Auswertung und Anbindung. Mit EDUCARE schulen wir diejenigen, die POCT entwickeln und anwenden.“

Für POCT qualifizieren

In EDUCARE entsteht ein innovatives, kompakt vermittelndes Fortbildungsangebot, das Interessierte aus Medizin- und Ingenieurdisziplinen zusammenbringt – von Medizintechnik und Biotechnologie bis hin zu Sensorik und Fertigungstechnik. Denn POCT nicht nur ein „Test“ ist, sondern ein System aus Technologie, Herstellung, Anwendung, Daten/Interpretation und Rahmenbedingungen – genau diese Kette bildet das Projekt als interdisziplinäres Bildungsangebot ab. Kern ist eine Summerschool mit Theorie- und Praxisanteilen, in der Teilnehmende lernen, wie POCT-Systeme konzipiert, hergestellt und unter realen Rahmenbedingungen eingesetzt werden.

Mittweida im Fokus

Die Hochschule Mittweida bringt zum einen ihre Expertise an der Schnittstelle von Biophotonik und Biotechnologie ein und ist zum anderen verantwortlich für die didaktische Konzeption und digitale Umsetzung der Lehrmodule. Studierende sollen – und wollen – nicht nur Inhalte konsumieren, sondern POCT-Fragestellungen aktiv bearbeiten – inklusive Auswertung, Simulation und KI-gestützter Datenanalyse im Sinne moderner Data-Science-Kompetenzen.

Die Digitalisierung der Lehrinhalte und -methoden ist deshalb ein Schwerpunkt: Geplant sind interaktive Skripte, Microlearning-Einheiten und praktische Daten-Workflows, die über online verfügbare Formate nachhaltig nutzbar werden – etwa als Jupyter-Notebook-basierte Lernumgebung und als interaktive Lehr/Lern-Umgebungen in einer E-learning-Umgebung.

Zwei Summerschool-Durchläufe, Evaluation und Verstetigung

Das Bildungsangebot wird im September 2026/27 in zwei Durchläufen als Summerschool erprobt und wissenschaftlich evaluiert. Alle Partner tragen zu den Lehr- und Lerninhalten mit ihrer Expertise und ihren Laboren bei. Von der HSMW werden die Professoren Richard Börner mit der Biophotonik und Röbbe Wünschiers mit der Biotechnologie an zwei der zehntägigen Summerschool in der Mikrofluidik und Sequenzierung vertreten sein.

Mit den Erfahrungen wird das Konzept überarbeitet und anschließend so aufbereitet, dass es dauerhaft als deutschlandweites Bildungsangebot in regulären Curricula zum Beispiel an den beteiligten Hochschulen verankert werden kann.

Hintergrund

Projekt: Wir! Wandel durch Innovation in der Region DIANA Teilprojekt EDUCARE – Education for Point-of-Care Technology 
Drittmittel: Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt - BMFTR; Projekträger Jülich – PTJ, 
Laufzeit: 01.10.2025 – 31.03.2028 
Partner: TU Chemnitz (Koordination), Hochschule Mittweida, Fraunhofer IZI (Leipzig), Fraunhofer IWU (Chemnitz)

Text: Richard Börner (Projektleiter HSMW) 
Fotos: Helmut Hammer