Fokus Forschung: Reif für die Praxis – Validierung bis zur Marktreife
Fokus Forschung: Reif für die Praxis – Validierung bis zur Marktreife
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Forschungsprojekte,
VIVA-SAX
In der VIVA SAX-Antragsrunde 2026 werden vier neue Langzeitprojekte bewilligt.
Viva-Sax macht reif für die Praxis
Mit dem Projekt VIVA SAX – Validierung von Innovationen und Verwertung in Sachsen unterstützt die Hochschule Mittweida seit 2025 gezielt Forschende dabei, vielversprechende wissenschaftliche Ergebnisse „reif für die Praxis“ zu machen.
Ziel des Programms ist es, Innovationen aus der Forschung systematisch auf ihre Markt und Anwendungstauglichkeit zu prüfen und so den Transfer in Wirtschaft und Gesellschaft nachhaltig zu stärken.
VIVA SAX ist Teil der sächsischen Validierungsförderung und wird vom Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA) gefördert. Das Programm läuft bis 2028 und stellt über vier Jahre hinweg insgesamt rund 1,35 Millionen Euro bereit.
Was VIVA SAX besonders macht, ist der klare Blick auf die Anwendung: Gefördert wird nicht Grundlagenforschung, sondern die Validierung konkreter Forschungsergebnisse. Diese sollen gezielt bis zu höheren Technologiereifegraden (TRL) weiterentwickelt werden – inklusive Marktanalyse, Wirtschaftlichkeitsbetrachtung und Schutzrechtsfragen. So entsteht eine belastbare Grundlage für Ausgründungen, Industriekooperationen oder Lizenzierungen.
Antragsrunde 2026: Große Resonanz und starke Ideen
In der Antragsrunde 2026 gingen bis zum Einreichungstermin Ende März insgesamt sieben Projektanträge ein, die ein breites thematisches Spektrum abdeckten. Der projektbegleitende Transferausschuss setzte sich intensiv mit den schriftlichen Anträgen auseinander und bewertete diese anhand einer festgelegten Bewertungsmatrix.
Der Transferausschuss setzt sich aus jeweils einer Vertreterin oder einem Vertreter jeder Fakultät, einem Industrievertreter, einer Vertretung der Industrie und Handelskammer (IHK) sowie einer Vertreterin des Gründernetzwerkes SAXEED zusammen.
Mitte April fand die Ausschusssitzung statt, zu der alle sieben Antragstellenden eingeladen waren. In einem Pitch stellten sie ihre Vorhaben vor und beantworteten die Fragen des Gremiums.
Im Ergebnis wurden vier sogenannte Langzeit-Validierungsprojekte (LVP) zur Förderung ausgewählt. Diese erhalten über einen Zeitraum von zwölf Monaten gezielte Unterstützung, um ihre Forschungsergebnisse weiterzuentwickeln und deren Verwertungsschancen systematisch zu erschließen.
Der Viva-Sax-Transferausschuss 2026: v.l.: Prof. René Ufer (Fak INW), Dr. Katrin Fritzsche (Referat Forschung, beratend), Prof. Uwe Mahn (Projektleitung), Hagen Grüttner (Antacon GmbH) Maik Kästern (IHK), Marion Mattern (Saxeed, beratend), Prof. Ulrich Buser (Fak. Medien), Prof. Alexander Zill (Fak Soziale Arbeit in Vertretung für Prof.in Isolde Heintze), nicht abgebildet: Prof. Thoralf Gebel (Fak Wirtschaftsingenieurwesen), Prof. Matthias Baumgart (Fak WI)
Vier Langzeitprojekte – vier Wege in Richtung Anwendung
Im Vorhaben VeMDetekt – Verfahren zur ML-basierten Bauteildetektion und Datenvalidierung für Wareneingangsprüfung und Montage unter Leitung von Professor Leif Goldhahn (Fakultät INW) geht es um die Entwicklung und Erprobung eines bildbasierten Verfahrens, das Bauteile automatisch erkennt, mit zugehörigen Prozess- und Auftragsdaten verknüpft und diese kontextbezogen prüft. Dadurch werden Bauteile korrekt identifiziert und nachgelagerte Arbeitsschritte mit den richtigen Komponenten ausgeführt. Dies reduziert Fehler, vermeidet Falschverbau und Reklamationen und spart Zeit in Logistik und Montage. Momentan werden visuell ähnliche oder spiegelbildliche Bauteile häufig verwechselt, wechselnde Lichtverhältnisse und Perspektiven führen zu Fehlern, und die Übertragbarkeit auf neue Bauteile ist begrenzt. Im Vorhaben werden Methoden des Machine Learning, insbesondere YOLO-basierte Ansätze, mit robusteren Bildmerkmalen und zusätzlichen kontextbezogenen Prüfmechanismen kombiniert. Ziel ist es, die Erkennungsleistung unter realen Bedingungen zu stabilisieren und Ergebnisse direkt im Prozess abzusichern. Durch kontinuierliches Nachtraining wird zudem die Anpassungsfähigkeit an neue Bauteile und veränderte Einsatzbedingungen gewährleistet.
Das Vorhaben Validierung eines laserbasierten opto-akustischen Messverfahrens zur zerstörungsfreien Zustandsbewertung von Betonbauteilen unter Leitung von Professor Jörn Hübelt (Fakultät INW) zielt auf die Überführung eines bereits funktional nachgewiesenen laserbasierten opto-akustischen Messverfahrens in eine anwendungsnahe, robuste und validierte Prüfmethode zur zerstörungsfreien Zustandsbewertung von Betonbauteilen ab. Das Verfahren basiert auf der gezielten optischen Anregung der Bauteiloberfläche mittels hochenergetischer Laserpulse, wodurch akustische Wellen im Material erzeugt werden. Materialeigenschaften sowie innere Schädigungen beeinflussen charakteristische Signalparameter wie Frequenzspektrum, Amplituden und Dämpfungsverhalten, die kontaktlos detektiert und ausgewertet werden können. Exemplarisch dienen Bahnschwellen im Vorhaben als Referenzbeispiel, wo die frühzeitige Detektion von Schwachstellen unmittelbar zur Reduzierung von Unfallsrisiken und gezielten Austauschmaßnahmen führt. Das Verfahren ist aber nicht auf diesen einen Anwendungsfall beschränkt, sondern lässt sich auf eine Vielzahl von sicherheitsrelevanten Betonbauteilen im Verkehrs- und Infrastrukturbereich erweitern.
Professor Udo Löschner (Fakultät INW) leitet das Vorhaben LasoCool – Validierung eines Verfahrens zur Herstellung direkt siedegekühlter mikroelektronischer Bauelemente durch laserbasierte Oberflächenstrukturierung. LasoCool validiert ein neuartiges, laserbasiertes Verfahren zur Mikrostrukturierung von Kühloberflächen, um die Wärmeabfuhr in Hochleistungs-Elektronikkomponenten signifikant zu verbessern. Durch die gezielte Beeinflussung des Blasensiedens mit Hilfe lasergefertigter funktionaler Oberflächenstrukturen können Wärmestromdichten deutlich gesteigert werden, was zu höheren Prozessleistungen / Performancesteigerungen insbesondere für KI-, HPC- und Leistungselektronik-Anwendungen führen wird.
Im Vorhaben ValiChainLock unter Leitung von Professor Matthias Vodel (Fakultät CB) soll ein innovatives, elektronisches Schließsystem auf einen seriennahen Entwicklungsstand weiterentwickelt werden. Das System kann zukünftig flexibel entweder cloudbasiert oder auch vollkommen unabhängig eingesetzt werden. Blockchain-Technologien sichern dabei sowohl die Authentizität als auch die Integrität von Berechtigungen bzw. Zugängen ab. Durch ihre dezentrale Struktur und globale Verteilung bietet die Blockchain-Technologie eine unabhängige Sicherheitsinfrastruktur, die vor Manipulationen und Ausfällen schützt – ganz ohne zentrale Instanz oder einzelne Verantwortliche.
Für den Jahresanfang 2027 ist eine weitere Antragsrunde – die letzte in der Projektlaufzeit – geplant und damit weitere Chancen für Forschende, ihre Ideen in die Praxis zu bringen. Kurzzeit-Validierungsprojekte (KVP) können jederzeit eingereicht werden.
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