Professor Dr. rer. nat. Röbbe Wünschiers, Inhaber der Professur Biochemie/Molekularbiologie, wurde im Juni 2026 vom Fachbereich Biologie der TU Dresden kooptiert. Nach den Kollegen Labudde und Villmann ist er damit der dritte Professor der Hochschule Mittweida, der entsprechend den Regelungen im Sächsischen Hochschulgesetz eigenständig Promotionsvorhaben eröffnen und durchführen kann.
Fokus Forschung: Biotechnologe ist der Dritte im Bunde
Fokus Forschung: Biotechnologe ist der Dritte im Bunde
Professor Röbbe Wünschiers ist der dritte kooptierte Professor an der Hochschule Mittweida
Professor Wünschiers, herzlichen Glückwunsch zur Kooptierung an die einzige ostdeutsche Exzellenzuniversität. Sind Sie stolz?
Röbbe Wünschiers: Nun ja, für die Exzellenz der TU Dresden kann ich ja nichts. Allerdings habe ich im Verlauf des rund einjährigen Bewertungsverfahrens meiner Bewerbung gemerkt, dass die TU sehr genau hinschaut, wen sie aufnimmt. Insofern war ich froh, als ich den Brief der Rektorin zur Kooptierung erhielt.
Was wurde denn da geprüft?
Röbbe Wünschiers: Das wichtigste Kriterium war, dass ich in der Vergangenheit bereits erfolgreich kooperative Promotionen an der TU Dresden begleitet habe. Das waren Frau Dr. Nadine Wappler und Herr Dr. Robert Leidenfrost. Sie haben beide ihre Forschungsarbeit bei mir in Mittweida durchgeführt. Damit waren ich und meine Forschung einigen Mitgliedern der Fakultät Biologie bekannt, und wir haben die Anforderungen der Promotionsordnung erfüllt. Der Fakultätsrat hat dann als erstes Gremium meine Kooptierung befürwortet. Dazu beigetragen haben neben meinem „wissenschaftlichen Output“ auch die Unterstützung der hiesigen Hochschulleitung. Für die Universitätsleitung waren meine Habilitation, die wissenschaftliche Reputation in Form von Publikationen und durchgeführten Forschungsprojekten sowie der Nachweis guter wissenschaftlicher Praxis ausschlaggebend.
Was ändert sich nun für Sie?
Röbbe Wünschiers: Wissenschaftlicher Nachwuchs für den Freistaat Sachsen und das gesamte Bundesgebiet kann auf unterschiedlichen Ebenen ausgebildet werden. Unsere Studiengänge sind eine Ebene. Eine weiterführende Qualifikation bietet jedoch die Mitarbeit in Forschungs- und Entwicklungsprojekten. Wer sich zertifizieren lassen möchte, dass er oder sie sich in besonderem Maße wissenschaftlich qualifiziert hat, kann dies durch die Einreichung einer Dissertation tun. Bei Drittmittelanträgen, die neben der Beantwortung einer Forschungsfrage in der Regel auch die Qualifizierung wissenschaftlichen Personals zum Ziel haben, muss ich mir nun keine Gedanken mehr um eine kooperierende Universität machen. Das ist für mich entspannter, als es klingen mag.
Sind denn schon weitere Promotionen in Sicht?
Röbbe Wünschiers: Oh ja. Lisa Prudnikow ist der Ziellinie am nächsten. Im DFG-geförderten Forschungsprojekt zur Wildbienengesundheit in Agrarsystemen am Beispiel von Apfelplantagen (Stichwort SachsenObst) wertet sie zurzeit Umwelt-, Reproduktions- und DNA-Sequenzdaten aus zwei Wildbienengenerationen aus. Hier trifft Ökologie auf Genomik und Bioinformatik. Ich bin sehr glücklich über die Zusammenarbeit mit Catrin Westphal, Lehrstuhl für Agrarökologie & Funktionelle Agrobiodiversität der Universität Göttingen, und Doreen Gabriel vom Institut für Pflanzenbau und Bodenkunde des Julius Kühn-Instituts in Braunschweig.
Auch Nils Schön hat eine Menge genomischer Daten auf der Festplatte. In diesem Fall handelt es sich um mehrere Generationen von Schafpudeln. Unter seiner Ägide konnten wir das Genom des Schafpudels nun nahezu vollständig entschlüsseln und hoffen, Licht auf die Frage nach der genetischen Diversität der Population im Allgemeinen und der genetischen Grundlage für das Krankheitsbild Hodenhochstand im Speziellen zu werfen. Dieses Projekt ist ohne die Zusammenarbeit mit den Züchterinnen Mechthild Jenissen-Tibbe und Nina Borzner sowie den Hundehaltern, die das Projekt durch Spenden kofinanzieren, unmöglich.
Mit der genetischen Diversität von Honigbienen der Rasse Buckfast und dem Zusammenhang mit dem Varroaresistenzverhalten befasst sich die Promotion von Tom Schmidt. Seine Arbeit basiert unter anderem auf Probennahmen bei den regelmäßig an unserer Hochschule stattfindenden künstlichen Besamungen von Bienenköniginnen und der Auszählung des Varroabefalls von Bienenvölkern. Es ist also ebenfalls ein sehr vielseitiges Forschungsprojekt, das ohne die Kooperation des Landesverbandes Sachsen Varroaresistenzzucht e.V. und den deutschlandweit assoziierten Imkerinnen und Imkern unmöglich wäre.
Mit Purpurbakterien und der Frage, wie mit ihnen Wasserstoff produziert werden könnte, befasst sich die Promotion von Anna Nauruschat. Sie startete ihre „Karriere” in meiner Fachgruppe damit, dass sie während ihrer Masterarbeit meine Forschungshypothese zur Wirkung der Mutation eines bestimmten Proteins bei der Regulation der Wasserstofferzeugung widerlegte. Jetzt untersucht sie die mögliche Wirkung anderer genetischer Varianten und taucht dabei tief in die Bioinformatik ein. Die Testung der Varianten soll dann mit der Genschere CRISPR/Cas erfolgen, wobei uns hoffentlich Genfähren von Ruud Weusthuis von der Universität Wageningen helfen.
Das klingt nach viel Arbeit. Viel Erfolg weiterhin und nochmals herzlichen Glückwunsch zur Kooptierung!
Röbbe Wünschiers: Dankeschön. Es ist ja vor allem viel Arbeit für die Doktorandinnen und Doktoranden und die von ihnen betreuten Studierenden (lacht). Aber in ihnen brennen die Feuer der Faszination und der Neugierde. Ich muss mich primär um die Feuerstätte und den Brennstoff kümmern.
Das Interview führte Annett Kober.
Foto: Lisa Prudnikow