Xenia Muth promoviert an der Fakultät Medien in einem kooperativen Verfahren mit der Universität der Künste Berlin zum Thema Strategien zur Förderung einer nachhaltigeren Zukunft für Akteure in Dienstleistungsökosystemen - Ein sehr persönlicher Konferenzbericht
Mittweida meets Finnland
Als Promotionsstudent:in sitzt man viel herum: Paper lesen, Konzepte verstehen und auf die eigene Forschung übertragen, an diesem großen Werk „Dissertation" schreiben. Und so schön es auch sein kann, in einem Thema in die Tiefe zu gehen, das man sich selbst ausgesucht hat: Genauso isoliert kann es sich manchmal anfühlen. Klar, da ist der Austausch mit anderen Promovenden, mit der Doktormutter oder dem Doktorvater und vielleicht hier und da mit Leuten aus der Praxis. Aber oft hat jeder seinen eigenen Wust an Themen und Konzepten.
Und überhaupt: diese ganzen „Name et al.": Irgendwie sind das doch sehr abstrakte Vorstellungen, die man dann von diesen „Berühmtheiten“ entwickelt, ohne ein Gesicht von diesen Autoren vor Augen zu haben. Oder?!
Ich hatte die Möglichkeit, an der internationalen Konferenz Frontiers in Service 2026 an der Universität Hanken teilzunehmen, die gerade im Service-Bereich als renommierte Konferenz einen Namen hat. Dort konnte ich etwa 200 Forscher:innen persönlich kennenlernen (davon wahrscheinlich 40 Promovend:innen wie ich), die eben genau das sind: die Namen vor den et al.'s! Zu sehen, wie die angesehensten Professorinnen und Professoren aus meinem Promotions-Forschungsfeld (Service) über ihre eigene Forschung sprechen, sie argumentieren und dabei insbesondere auf die konzeptuellen Schwächen eingehen, war eine sehr wegweisende Erfahrung für mich.
Offizieller Konferenzbanner der Frontiers in Service Konferenz.
Man denkt ja immer, man sei mit diesen Problemen ganz allein, aber nein: Auch die anderen haben sie und überlegen hin und her, wo und wie sie ihre Forschung theoretisch sowie rhetorisch aufbauen, um damit wirklich theoretischen als auch praktischen Mehrwert erzielen zu können.
Und plötzlich versteht man: Genau das ist Forschung! Also: Wissenschaftlicher Diskurs über Ideen, Abgleich der Sichtweisen und Perspektiven, unterschiedliche Interpretationen von Theorien und Modellen - und das geht eben am besten, wenn man sich dabei in die Augen schauen kann.
Ich durfte im Rahmen der Konferenz gleich zweimal präsentieren: einmal im Rahmen des Doctoral Consortiums zu Beginn der Konferenz, wo alle 40 Promovendinnen und Promovenden detailliertes Feedback von sehr erfahrenen Forschenden zu ihren eigenen Dissertationsprojekten bekommen haben. Und das zweite Mal am dritten Konferenztag im Rahmen einer offiziellen Konferenzpräsentation mit meinen Co-Autoren, die ich übrigens auch das erste Mal live gesehen habe, abseits von Zoom: Drei von Ihnen sind nämlich in Köln und in Neuseeland verstreut und sind (wie ich) extra für die Konferenz nach Helsinki gekommen.
Kurz nach der Präsentation eines Projektes aus meiner Dissertation, gemeinsam mit drei der insgesamt fünf Co-Autoren dieses Projektes.
v.l.n.r.: Prof. Jörg Finsterwalder (University of Canterbury); Rebecca Finsterwalder (independent researcher), Prof. Zelal Atos (TH Köln), Xenia Muth
Physisch zu spüren, dass man mit seiner Forschung inhaltlich am richtigen Ort ist. Dass Forschung eine Community ist. Zu sehen, wo es hingehen kann. Dass hinter den et al.'s Menschen stehen, mit denen man über ihre Ideen sprechen kann. Und die einem wirklich helfen wollen, den eigenen Beitrag zu diesem Feld zu formen. Das ist es, was mich am meisten beeindruckt hat. Und ja: Am Ende schreibt man die Dissertation allein. Aber ich weiß jetzt, dass man eben nicht allein ist.
Vielen Dank an alle, die diese Reise möglich gemacht haben!
Text: Xenia Muth Bilder: (1), (3): Xenia Muth, (2) Frontiers in Service
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